Saturday, March 31, 2007

Paradise on earth

50 Lenze auf dem Buckel verpflichten. Die Gesellschaft stellt – wohl nicht ganz zu Unrecht – gewisse Erwartungen an den Homo Sapiens mit Lebenserfahrung. Gleichzeitig kämpft der – in meinem Fall – postpubertäre Jüngling mit multiplen Anzeichen einer „Midlife crisis“, deren Auswüchse er besonders dann spürt, wenn er umgeben ist von jugendlichen Kabinenbesatzungen vielfältigster Nationen.

Doch das fortschreitende Alter bringt auch zahlreiche Vorteile. Noch komme ich in meinem Heimatland zwar nicht in den Genuss verbilligter Senioreneintrittstarife, dafür nehme ich schmunzelnd zur Kenntnis, dass sich die Extravaganz der Geschenke und der Aufwand der Schenkenden immer öfter proportional zur Anzahl der Kerzen auf der Geburtstagstorte verhalten. So befand sich auf meinem Gabentisch im Januar unter anderem ein Gutschein für einen geheimnisvollen Ausflug mit unbekanntem Ziel. Ausgestellt von Toni und Andrea. Diese Woche nun haben wir ihn eingelöst. Und in Anbetracht der viel versprechenden Destination traten wir die Reise gleich zu viert an.

Ziel unbekannt
Am Mittwochmorgen um 1100 Uhr stehen Toni und Andrea vor unserer Haustür. Schnell ist das bescheidene Reisegepäck im Fond des noch bescheideneren Prado verstaut und wir fahren los Richtung Sweihan. Ich bin wohl der einzige, der vom Zielort keine Ahnung hat. Im Vorfeld war zwar von Gummistiefeln die Rede, und von Wanderschuhen. Beides lassen wir jedoch zuhause. Ich bin beruhigt.
Wir kommen flüssig voran und bei Al Hayer wechseln wir den Highway und steuern Richtung Norden. Nach einer kurzen Trink- und Rauchpause setzen wir die Fahrt fort, bis Toni unvermittelt, nach dem Passieren einer grossen braunen Namenstafel, die Autobahn verlässt. Wenig später stehen wir vor einer Mauer mit einem Tor. Auf riesigen Lettern steht geschrieben: „Dubai Desert Conservation Reserve“. Der Wachmann lässt uns nach Namensnennung ein und wir parken den Wagen unter einem Unterstand aus Stroh. Jetzt endlich lüften Toni und Andrea ihr Geheimnis und eröffnen mir, dass wir zwei Tage im „Al Maha Desert Resort“ verbringen werden. Noch sagt mir der Name nicht viel...


Al Maha Desert Resort
Das zu den „Small Leading Hotels of the World“ gehörende „Emirates Al Maha Desert Resort & Spa“ ist in einem Naturreservat gelegen und von Wüsten- und Dünenlandschaft umgeben. Es handelt sich dabei um das erste Öko-Projekt der Emirate und wurde ein großer Erfolg. Bis heute wurden rund 40 Millionen US Dollar in den Bau und die Instandhaltung investiert. Die Bungalows im Al Maha sind mehr als eine Bleibe, sie sind Teil des Erlebnisses. Architektur, Einrichtung und Materialien sind von Beduinenlagern inspiriert. Jedes kleinste Detail wurde sorgfältig ausgewählt um den Gästen den Geist der Geschichte, der Ewigkeit, der zeitlosen Beduinen-Kultur nahe zu bringen.Die Besucher hausen in Zelt-Suiten, in denen sie mit den handgearbeiteten Holzmöbeln, den kleinen Kunstwerken und Antiquitäten eine spannende Reise in die arabische Vergangenheit unternehmen. Wie jedes Beduinenzelt stehen auch die Suiten einzeln für sich. Nur eines haben alle gemeinsam: den atemberaubenden Ausblick auf die zeit- und endlose Wüste bis zu den Bergen am Horizont.


Das Resort liegt mitten im 225m2 großen "Dubai Desert Conservation Center", das in der Ferne vom Hajar-Höhenzug abgeschlossen wird. Wanderdünen, Savannen und kleine Oasen prägen das Landschaftsbild, das jedoch erst mit den Oryx-Antilopen, Wüsten- und Berggazellen, den Falken und Araberpferden, sowie den Wüstenfüchsen richtig zum Leben erweckt wird. Der Ort nahm seinen Namen von den stolzesten aller Dünenbewohner – dem arabischen Oryx. Umgeben von einheimischer Flora und Fauna begegnen Gäste hier dieser weissen, sehr seltenen arabischen Antilopen-Spezies, die schon als ausgestorben galt und in einem Regierungsprojekt wieder angesiedelt wurde.














Oryx-Antilope

Individuelle Betreuung
Nach kurzer Wartezeit werden wir von „unserem“ Guide Luke beim Unterstand abgeholt. Wir laden unsere Taschen in seinen hellbraunen Toyota Landcruiser, der in Grösse und Ausführung etwas weniger bescheiden als Tonis Gefährt daherkommt, und rollen gemächlich los. Luke ist einer der in der Hotelanlage tätigen „Field Guides“, welche die Gäste auf Ausflügen in die Dünen oder bei Ausritten auf arabischen Hengsten begleiten. Ausserdem geben sie Unterricht im Bogenschießen oder demonstrieren den staunenden Zuschauern den eleganten Flug der Falken.
Während der nächsten Viertelstunde gleiten wir durch eine einmalige und unberührt scheinende Dünenlandschaft. Bereits jetzt begegnen wir den angekündigten Oryx-Antilopen und einigen Gazellen, die sich völlig ungestört in freier Wildbahn aufhalten.
Bei der Ankunft im Hauptgebäude werden wir von einer freundlichen Empfangsdame begrüsst. Ein persönliches Einchecken an der Reception ist nicht nötig. Nach Abgabe der Pässe verschwindet Samira und erledigt für uns diskret sämtliche Formalitäten.
Uns treibt derweil der Hunger ins Restaurant, wo wir uns genüsslich über das vielfältige Buffet hermachen und ein kühles Bier geniessen. Anschliessend bringt uns das Elektrowägelchen in unsere Bungalows. 75 m2 gross mit grosszügiger Badelandschaft und einem eigenen Pool ausgestattet.






















Die angenehme Wassertemperatur lockt zu einem spontanen Bade, die Aussicht vom Beckenrand ist berauschend (siehe Foto oben!). Doch viel Zeit bleibt nicht, denn bereits um 17.15 Uhr werden wir in der Lobby im Hautpgebäude erwartet. Wir haben uns für die Vorführung der Falken eingeschrieben. Nach einer Tasse Tee setzen wir uns zu Luke in den Landcruiser und fahren – zusammen mit drei weiteren Geländewagen – auf die Kuppe einer Düne. Kaum angekommen drückt uns ein freundlicher Helfer ein Champagnerglas in die Hand und wir lauschen gespannt den Ausführungen der „Guides“. Drei in Farbe und Charakter unterschiedliche Exemplare dieses Raubvogels begeistern uns durch ihre Wendigkeit und Schnelligkeit. Mehrmals umkreisen sie unseren Standort, um dann in schnellem Sturzflug den vom Guide an einer Schnur geschwungenen Köder zu attackieren. Nach getaner Arbeit erhalten die um Atem ringenden Vögel zur Belohnung eine ganze Wachtel, die sie vollständig, inklusive Federkleid und Knochen verspeisen.































Luke präsentiert einen Falken

Wir indes geniessen den Sonnenuntergang bei einem weiteren Glas des gereichten Schaumweines, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.
















Um halb neun haben wir uns zum Nachtessen verabredet, das wir auf der lauschigen, Holz beplankten Terrasse einnehmen. Der Blick schweift über die Ebene zur beleuchteten Wassertränke, wo sich Gazellen und Oryx laben. Die Gasfackeln lodern im Wind, die Temperatur ist angenehm und erlaubt kurzärmliges Gewand. Zu viert geniessen wir ein fünfgängiges Menu und eine Flasche des Chilenischen Cabernet Sauvignon. Bei guten Gesprächen verfliegt die Zeit derart schnell, dass letztlich der geplante Barbesuch und die angestrebte Zigarre der fortgeschrittenen Stunde zum Opfer fällt, was Lunge und Leber wiederum dankbar zur Kenntnis nehmen.
















Massage und Spa
Der nächste Tag beginnt verheissungsvoll mit einem erfrischenden Bad im Pool zu früher Morgenstund. Nach der Dusche steuern wir bereits wieder in den Speisesaal. Noch kämpft der Magen zwar mit der Verdauung der letzten beiden Gänge des Vorabendmahls, doch das Frühstücksbuffet können wir uns nicht entgehen lassen.
Einmal mehr sind wir die letzten, die unseren Tisch räumen. Es war gestern so, und es ist heute nicht anders. Erst die Erkenntnis, dass unsere Massage in einer Stunde fällig ist, lässt uns aufbrechen. Koffer packen, Zimmer räumen und dann treffen wir uns im Spa, das, wie sämtliche Räume der Anlage, ebenfalls den Zauber arabischer Geheimnisse und Märchen verströmt. Wir geniessen vor unserer Abfahrt noch einmal die ausserordentliche Gastfreundschaft des Hotelpersonals und entspannen in der grosszügigen Erholungslandschaft um den Gemeinschaftspool.
Kurz nach 1500 Uhr fährt uns Luke zum Eingangstor, wo wir unser Gepäck wieder in den Ackermannschen Kleinwagen laden. Kaum haben wir das Gelände des Resorts verlassen, begegnen uns drei Kamele, die unmittelbar neben der Ausfahrtstrasse ein Nickerchen machen. Auch das digitale Klicken unserer Fotoapparate vermag die Tiere nicht aus ihrer Ruhe zu reissen und so können wir ungehindert knipsen bis die Batterien rauchen. Eine letzte Erinnerung an zwei traumhafte Tage, um in deren Genuss zu kommen, ich erst einmal 50 Jahre alt werden musste – Toni und Andrea – euch sei herzlich gedankt!
Ich werde mich beim 60sten (oder werden es bereits sieben Dekaden sein...?) zu revanchieren wissen...































entspannt nach der Massage...
















...ähnlich entspannt beim Dösen...
PS: mehr Fotos gibt's auf dem Link "Sishageflüster" in der rechten Spalte...

Tuesday, March 27, 2007

Mit dem Grossvater in die Wüste

Wir hatten die letzten zwei Wochen einen Feriengast zu Besuch. Grund genug, dass auch ich (Franziska) mich wieder einmal an die Tastatur meines Laptops wagte...
Ferien ist zwar nicht ganz der richtige Ausdruck, handelte es sich dabei doch eher um eine Mischung aus Arbeits- und Ferienaufenthalt. Es galt, einige Ideen in unserem Haus umzusetzen, die ich in den letzten zwei Monaten in einem Innenarchitektur-Kurs (speziell für „Expat women“, die ja bekanntlich öfters mal umziehen...) entwickelt hatte.
Unser „Grösu“ verbrachte 14 Tage bei uns. Und es gab viel zu tun: er half beim Montieren von Regalen, Wäscheleinen und Vorhangstangen, brachte den Gartentisch wieder auf Vordermann und verlieh auf meinen Wunsch unseren Schuhmöbeln neue Dimensionen - auch dieses Anliegen eine Folge meines Kurses. Dafür haben wir uns im Carrefour sogar eine Stichsäge (Black and Decker) angeschafft.

















Mittlerweile verfügen wir mit unserem Nachbarn Toni zusammen über eine ansehnliche Werkstatt, die von Dübeln, Schrauben und Wasserwaage über Pinsel, Hammer und Zangen bis zur Bohrmaschine und Stichsäge reicht.

Aber auch „Freizeit“ gab es genügend. Zum einen fand ein Eishockeyturnier der Falcons in Abu Dhabi statt. Da durfte der Grosvater natürlich nicht fehlen, und zusammen mit dem Rest der Familie unterstützte er Tim und seine Mannschaft aus voller Kehle. Der Aufwand stand leider einmal mehr in krassem Missverhältnis mit dem Ertrag - schaute doch "nur" ein 3. Platz (bei vier teilnehmenden Teams) heraus.

Weiter stand ein Besuch bei der Schweizer Botschaft an. Während die 5. bis 9. KlässlerInnen der Deutschen Schule in Sandy Beach weilten, durften oder mussten die 10. Klässler ein Praktikum absolvieren, und dies machte Tim auf eben unserer Botschaft. Der Botschaftsvertreter Herr Maager sowie die zweite Mitarbeiterin Sandra Chawla-Gantenbein (Deputy Head of Chancery) empfingen Tim, „Grösu“ und mich vorgängig zu einem Vorstellungsgespräch und schilderten uns die verschiedenen, spannenden Aufgaben, die auf einer Botschaft zu erledigen sind.
Fünf Tage durfte Tim dort wirken. Dabei erhielt er dank der engagierten Unterstützung der Mitarbeiter Einblick in die vielfältigen Arbeiten einer Botschaft und in kleine Teilbereiche des Schweizer Staatsrechts. Ausserdem durfte er bei der Ausstellung von Visa mithelfen und in einzelnen Fällen telefonische Abklärungen bei Banken durchführen.















Tim im Büro der Schweizer Botschaft

In derselben Woche fegte ein dreitägiger Sandsturm über die Emirate, der uns total lahm legte. Unser frisch abgelaugter und abgeschliffener Gartentisch sah nachher, trotz Abdeckung mit einem Leintuch, wie paniert aus. Auf der Strasse hatte man das Gefühl, von dicken Nebeln umgeben zu sein. Im Haus sah man jede Fussspur auf einer feinen Sandschicht am Boden, und unter den Fenstern und Türen (die hier sehr schlecht oder gar nicht abgedichtet sind) hatte sich so viel Sand angesammelt, dass wir der Nina beim Sandburgen Bauen grosse Konkurrenz hätten machen können.
















Aufräumen nach dem Sandsturm

Nach dem Sandsturm gab’s dann noch ein heftiges Gewitter, das den ganzen Dreck (sprich Sand) in der Luft runterspülte und uns endlich wieder richtig durchatmen liess. Nur unsere Satellitenschüssel auf dem Dach hielt diesen Winden nicht ganz Stand, empfing keine Signale mehr und liess uns ohne Schweizer Fernsehen (mit den enorm wichtigen Play off Spielen des SCB) sitzen. Andrea und Toni erging es genauso, bis nach zwei Tagen endlich ein netter pakistanischer Fachmann kam und alles wieder reparierte. Jetzt freuen wir uns auf die Finalrunde zwischen den Berner und den Davosern. Und da die lieben Schweizer jetzt wieder auf Sommerzeit umgestellt haben, müssen wir am Abend nicht mehr gar so lange ausharren bis die Spiele beginnen. Die Zeitdifferenz zu Zentraleuropa beträgt schliesslich nur noch zwei Stunden.

Als sich das Wetter gerade einmal etwas beruhigt hatte, liess sich mein Vater die Gelegenheit nicht nehmen, Andrea und Toni auf einen Tagesausflug Richtung Oman in die Berge zu den so genannten „Hatta Pools“ zu begleiten. Dabei handelt es sich nicht, wie der Name vermuten liesse, um künstlich angelegte Schwimmbecken, sondern vielmehr um Naturseen mit glasklarem Wasser in felsiger Umgebung. Sie waren alle drei restlos begeistert von dieser zerklüfteten Landschaft, der ziemlich abenteuerlichen Fahrt durch Schluchten und Gewässer und dem (sehr!) erfrischenden Bad in einem dieser schönen Naturseen. .

































Ein Abstecher nach Dubai stand ebenfalls auf dem Programm. Andrea begleitete Paps und mich, und was lag da näher, als ein Besuch im „Ski Dubai“, nachdem sich der Winter in der Schweiz bislang arg geziert hatte.
Die riesige „Mall of the Emirates“, in der sich die Skihalle befindet, ist in einer Stunde von Abu Dhabi aus zu erreichen. Wir kauften uns für 10 Dirham (CHF 3.30) Mütze und Handschuhe (die wir gut gebrauchen konnten bei minus sieben Grad), während Skianzug, Schuhe und Skis gemietet werden konnten. In einer grossen Halle konnten wir uns umziehen, dann ging’s über die Rolltreppe ab auf die Piste. Wir hatten wirklich Spass am Skifahren und genossen schliesslich noch einen „Kafi“ im „Avalanche Cafe“ in der Mittelstation des Sessellifts, der uns übrigens immer wieder zuverlässig und sehr, sehr gemütlich nach oben brachte.
































Für das Mittagessen fuhren wir anschliessend ins Madinat Jumeirah Hotel, einer wunderschönen Anlage mit Wasserkanälen, einem arabischen Markt und mit Blick auf das immer wiede faszinierende Burj al Arab.
















Madinat Jumeirah, im Hintergrund das Burj al Arab
















Die freie Sicht vom Jumeirah Beach aus auf dieses spezielle Hotel liessen wir uns natürlich nicht entgehen.































The old man and the sea....

Schliesslich machten wir uns wieder auf den Heimweg, wollten wir den Tag doch noch mit einem feinen arabischen Essen, gemeinsam mit Lachmairs und Lembachs (die beide auch ihre Eltern zu Besuch hatten) abschliessen. Wir waren 20 Personen an einer langen Tafel und wurden überhäuft mit libanesichen Spezialitäten. Fast fühlten wir uns schon wie eine emiratische Grossfamilie.

















Noch zweimal wurde gebadet und „gsünnelet“ am Pool, der obligate Morgenspaziergang am Meer genossen und schon war wieder Mittwochnacht und „Grösu“ trat die Heimreise an.

Vielleicht erhält er nach dem verspäteten Wintereinbruch in der Schweiz gar noch die Möglichkeit, auf einer „echten“ Skipiste einige Schwünge zu tun – das „Hallentraining“ hat er nun ja bereits erfolgreich absolviert.










Friday, March 23, 2007

Sandiges aus "Sandy Beach"

Wie bereits in einem früheren Blog-Eintrag erwähnt, fuhr die Deutsche Schule vom 11. bis 15. März nach Sandy Beach ins Lager. Mit dabei waren die SchülerInnen der Klassen fünf bis neun, darunter auch Linda und Nina. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass unsere Töchter selber einen Bericht verfassen, doch mein blauäugiges Ansinnen stiess auf regen Widerstand.
Immerhin ist es mir schliesslich dank taktisch gewiefter Rhetorik gelungen, unsere 5.Klässlerin Nina (immer auf die Kleinen...) zu einem Interview zu überreden. Und in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen...

Vater: Meine Tochter, wie seid ihr nach Sandy Beach gereist?

Tochter: Lieber Vater, zuerst mussten wir bei der Deutschen Schule eine ganze Stunde warten, bis uns etwa vier Busse abholten. Dann fuhren wir sechs Stunden. Insgesamt machten wir zwei kurze Pausen bei einer Tankstelle. Wir trafen gegen 1500 Uhr in Sandy Beach ein, wo wir sofort unsere Bungalows bezogen. Zehn Minuten später versammelten wir uns vor dem Lehrerbungalow zu einer allgemeinen Information.

Vater: Mit wem hast du dein Zimmer geteilt?

Tochter: In einem Bungalow schliefen sechs Kinder, aber weil bei uns ein Mädchen aus privaten Gründen dringend nach Deutschland reisen musste, waren wir nur zu fünft: Anna-Lena, Jette, Friederike, Luisa und ich. Wir verstanden uns gut und waren fast die ganze Zeit zusammen. Ausserdem gewannen wir einen Carrefour-Gutschein von 25 Dirham, weil unser Bungalow über die ganze Woche am ordentlichsten aufgeräumt war. Die Lehrer kontrollierten die ersten drei Tage nämlich sämtliche Bungalows und vergaben Noten für die Zimmerordnung.

Vater: Wie sah denn euer Tagesablauf aus?

Tochter: Nach der Ankunft blieb uns ja nicht mehr so viel Zeit bis zum Abendessen. Deshalb konnten wir tun, was wir wollten. Doch an den restlichen Tagen gab es eine Tafel mit je zwei Angeboten für den Morgen und für den Nachmittag. Man musste sich immer für eine Variante pro Halbtag entscheiden und in die Liste eintragen.

Vater: Wann seid ihr aufgestanden?

Tochter: Das war ganz unterschiedlich, aber Frühstück gab es um 0800 Uhr. Danach konnte man sich für die Tagesaktivitäten vorbereiten .

Vater: Wo hast du überall mitgemacht?

Tochter: Ich habe mich eingeschrieben bei „Sandburgen bauen“, beim Fussball- und Völkerballturnier im Sand und bei der Strandolympiade. Ausserdem mussten sich alle Kinder, die nicht auf Schnorcheltour gingen, einen Tag am Strand aufhalten. Ich hatte leider sehr unbequeme Flossen dabei und verzichtete deshalb aufs Schnorcheln. Aber ich habe dennoch im Meer gebadet sowie zusammen mit Anna-Lena und Nour unsere Klassenlehrerin Frau Friedrich im Sand eingebuddelt und eine Krabbe aus Sand gebaut.

Vater: Gab es spezielle Erlebnisse während dieser Tage?

Tochter: Ja – sogar ein sehr besonderes Erlebnis. Etwas, das man nicht alle Tage sieht! Wir beobachteten nämlich eine Katze, die auf der Astgabelung eines Baumes ihre Babys zur Welt brachte. Anna-Lena und ich sahen dabei, wie die Mutter plötzlich eines ihrer Babys mit ihrem Schwanz vom Ast stiess. Einer der „Putzmänner“ des Hotels nahm darauf seine Schaufel und legte das junge Kätzchen wieder zu seiner Mutter. Doch gleich danach schubste sie es mit dem Schwanz wieder hinunter. Das Baby fiel etwa aus zwei Metern Höhe auf die harte Erde. Leider zeigten einige Kinder falsche Tierliebe und fassten dieses Baby an. Sie wickelten das Kätzchen in ein Tuch und legten es auf den Boden. Doch so war alle Hoffnung verloren, dass die Mutter ihr Junges wieder aufnehmen würde. Und wenig später – wir waren gerade beim Volleyballspien am Strand – kam ein Kater herangeschlichen und tötete das Katzenbaby mit einem Biss in die Kehle. Wir fanden es tot mit blutender Wunde. Schliesslich begruben wir das Kätzchen und fertigten aus Karton einen Grabstein.

Vater: Was habt ihr jeweils am Abend gemacht?

Tochter: Am ersten Abend grillierten wir Steaks und Würste im Garten. Weiter gab es eine Schatzsuche, Lagerfeuer am Strand und natürlich die grosse Karaoke-Party, die jedes Jahr am Schluss des Lagers stattfindet.

Vater: Hast du auch mitgesungen?

Tochter: Jede Klasse musste etwas beitragen, und weil es in unserer Klasse genügend freiwillige SängerInnen und TänzerInnen gab, konnte ich den Abend einfach geniessen, mich kaputt lachen und zugucken. Dafür hat die fünfte Klasse die Schatzsuche gewonnen. Und da habe ich natürlich auch mitgeholfen!

Vater: Das klingt alles recht aufregend. Gab es besondere Zwischenfälle?

Tochter: Das mit der jungen Katze habe ich ja bereits erwähnt. Bei der Strandolympiade musste man bei einer Disziplin Bälle in ein Sandloch schiessen. Ein unbekannter Schüler (oder eine Schülerin...) hat alle drei Bälle im Sandloch versteckt und eingegraben, doch ein Mädchen aus der 6. Klasse fand sie wenig später und grub sie wieder aus.
In der ersten Nacht kamen die 8.Klässler kurz vor Mitternacht und schrien ganz laut vor allen Bungalows: „Guten Morgen ihr Schlafmützen – Aufstehen!“ Wir waren gerade am Einschlafen und haben uns über diese Jungs sehr geärgert.

Vater: Dies war dein erstes Lager mit Kindern der Deutschen Schule. Hattest du nie Heimweh?

Tochter: Nein überhaupt nicht. Aber andere Mädchen mussten wegen Sonnenstich, Kopfschmerzen oder Streitigkeiten manchmal weinen.

Vater: Dann bleibt dir diese Woche also in guter Erinnerung?

Tochter: Ich werde sie nie vergessen. Es war ein wunderschönes Erlebnis. Aber in den Sommerferien werde ich mit meiner ehemaligen Primarschulklasse von Stadel in ein Lager im Nationalpark fahren. Da freue ich mich ebenfalls riesig darauf. Ich bin hunderprozentig sicher, dass dies genauso toll werden wird!
















unterwegs im Bus nach Sandy Beach
















Die Jette hat der Hunger gepackt
















Zimmerbezug
















Hotelanlage mit den V-förmig angelegten Bungalows
















Blick auf Snoopy Island
















Grillplausch
















Anna-Lena scheint es zu geniessen
















Küchenarbeit gehört auch dazu
















Das verstossene Kätzchen
















Nina posiert am Strand

Tuesday, March 13, 2007

Ausflüge, Prüfungen und Handwerkskunst

Unser Haus wirkt diese Woche ziemlich verwaist. Die beiden Mädchen befinden sich mit ihren Klassen im Lager der Deutschen Schule in Sandy Beach. Am Sonntagmorgen sind sie losgefahren. Sechs Stunden dauerte die Fahrt im Reisebus.
Sämtliche Kinder der 5. bis 9. Klasse nehmen an dieser „Expedition“ teil. Linda geniesst ausserdem das Privileg, die ersten drei Tage mit der 9. Klasse auf einer Dhow zu verbringen. Da sie das einzige Mädchen in der 8. Klasse ist, wollten ihr die Lehrer wohl ersparen, „umzingelt“ von Jungs eine volle Woche im Strandhotel zu nächtigen.
Unter einer Dhow versteht man eines der traditionellen arabischen Handels- und Segelschiffe wie man sie schon seit Jahrhunderten an den Küsten von Mocambique antrifft. Ursprünglich kamen die ersten Dhows aus Arabien und Indien und trieben Handel mit arabischen Holztruhen sowie mit persischen Teppichen und Gewürzen. Aus Holz gebaut, segelten sie nur mit Hilfe der Monsunwinde den jeweiligen Häfen entgegen.




















Nina logiert vom ersten Tag an in einem Bungalow in Sandy Beach. Ihre Aufregung vor der Abreise war riesig. Aufgekratzt und ungeduldig packte sie ihr Bündel; der erste grössere Ausflug, die erste auswärtige Übernachtung mit ihren Klassenkameradinnen. Linda hingegen reiste mit gemischten Gefühlen und konnte sich nicht so recht begeistern. Kunststück – weder Handy noch Ipod sind erlaubt. Eine knappe Woche also ohne die Vorzüge modernster Kommunikations- und Unterhaltungsmittel. Nicht einfach für eine 14-jährige...
Wir sind gespannt auf ihre Erfahrungen und Berichte.

Auch für Tim erfährt der „normale“ Schulunterricht einen Unterbruch. Bereits in der vergangenen Woche standen die schriftlichen Prüfungen für die Mittlere Reife auf dem Programm. Am Dienstagvormittag drei Stunden Mathe und am Donnerstagvormittag drei Stunden Englisch. Dazwischen hatten die 10.-Klässler frei. Zeit für Erholung und mentale Vorbereitung. Die mündlichen Prüfungen stehen im April an. Nirgends ist das näher rückende Ende dieses Schuljahres so deutlich spürbar wie in der 10. Klasse. Alle vier SchülerInnen werden die Deutsche Schule verlassen müssen. Nach dem Erhalt der Mittleren Reife-Zeugnisse im Mai werden sie das Semester rund drei Wochen vor dem offiziellen Ferienbeginn beenden. Tim ist bereits auf der Suche nach einem Ferienjob in der Schweiz. Vorerst absolviert er allerdings ein einwöchiges Praktikum auf der Schweizer Botschaft in Abu Dhabi. Um 0900 Uhr beginnt sein Arbeitstag. Gewandet in eine lange „anständige“ Hose und ein Hemd.
Offenbar scheint dies eine recht spannende Angelegenheit zu sein. Auch wenn er sich in Geheimniskrämerei übt und immer wieder die Vertraulichkeit seiner Informationen – die er uns natürlich zumeist nicht weitergibt – herausstreicht.

So gehen diese Woche alle Kinder besondere Wege. Für einmal stehen keine Hausaufgaben an. Die Mädchenzimmer sind leer und Tim sehen und hören wir nur selten. Er geniesst die Ruhe und trifft sich zwischendurch mit den Jugendlichen im Compound.




















Zum Glück haben wir den Grossvater zu Besuch! Auch wenn er die häusliche Leere nicht vollends zu kompensieren vermag. Franziskas Vater weilt für zwei Wochen in Abu Dhabi. Bereits zum zweiten Mal zieht es ihn in die Hauptstadt der UAE. Diesmal allein. Es dauert nicht lange, und schon stürzt sich der pensionierte Schreinermeister ins „Übergwändli“ im Stile eines pakistanischen Allround-Handwerkers. Zuerst wird der Gartentisch einer fachmännischen Behandlung unterzogen: Farbe weg, schleifen, malen, ölen. Zum Schutz gegen die Sonne. Daneben werden zu grosse Holzmöbel verkleinert, Rückwände von Bücherregalen entfernt und Haken für Wäscheleinen montiert. Doch wer nun denkt, wir würden die grossväterliche Präsenz für Zwangsarbeit missbrauchen, der irrt. Selbstverständlich bleibt genügend Zeit für Musse, kleine Ausflüge beispielsweise zum Fisch- und Gemüsemarkt am Hafen sowie für kulinarische Höhenflüge im Indischen Restaurant oder zur Not auch einmal im "KFC" (Kentucky Fried Chicken). Und zusammen mit Toni und Andrea ist morgen ein Ausflug in den Oman geplant.
Es geht wahrlich rund in diesen zwei Wochen und Langeweile dürfte mit Sicherheit kaum aufkommen. Die Temperaturen sind ebenfalls am Steigen und erreichen mittlerweile bereits wieder sommerliche Tageshöchstwerte von rund 27 Grad. Die Abende sind angenehm und locken zum Gartenplausch. Und Franziska und ich nutzen die Gelegenheit, uns weiter den Gepflogenheiten des Landes anzupassen. Im weissen Dishdash, hier vielmehr „Kandoora“ genannt, und im schwarzen Abbaya posieren wir vor der Linse. Nun warten wir ungeduldig auf die erste Einladung einer „UAE-National-Familie“ zur Hochzeit oder zum Geburtstag. Aber daraus wird wohl vorerst nichts.




















Last but not least hat mein Arbeitgeber Etihad Airways endlich das lang erwartete neue „Salär-Package“ abgesegnet und vorgestellt. Wirksam wird es auf Beginn April. Die Zeit drängt, denn um die in diesem Jahr angestrebten 190 Piloten anheuern zu können, müssen die Bedingungen – speziell im Vergleich zu den nahen Mitstreitern Qatar Airways und Emirates Airlines – konkurrenzfähig sein. Der Piloten-Markt ist ausgetrocknet, und vor diesem Hintergrund ist es nur schwer nachzuvollziehen, weshalb gut ausgebildete Leute sang- und klanglos ziehen gelassen werden.
Für mich bringen die Verbesserungen ein rund zehn Prozent höheres Einkommen. Bei den Copiloten schaut es gar noch etwas besser aus. Dimensionen, die wir uns von der Schweiz, in der um jedes einzelne Prozent gerungen wird, nicht mehr gewohnt sind. Doch auch im Morgenland gibt es kritische Stimmen, die nach mehr schreien. Und wie der Muezzin werden sie wohl nie verstummen.

Sunday, March 04, 2007

Selamat Datang

Für einmal handelt es sich hier nicht um eine arabische Floskel. „Selamat Datang“ ist malaiisch und heisst „Herzlich Willkommen“. Wieder einmal hat es mich an eine Destination mit Neuland-Charakter verschlagen: Kuala Lumpur, die Hauptstadt von Malaysia.

"Check in" ist um 0110 Uhr. Keine angenehme Zeit wenn man bedenkt, dass der Flug über sechs Stunden dauert. Glücklicherweise gelingt es mir, von 2000 bis 2300 Uhr zu schlafen. So tief, dass ich Mühe habe, mich aus dem Bett unter die Dusche zu kämpfen. Die Kinder schlafen bereits und Franziska ist an einer Sitzung des Festkomitees der Deutschen Schule.
Das Taxi von Al Ghazal findet unseren Compound heute auf Anhieb, was beileibe nicht immer der Fall ist, und so bleibt mir genügend Zeit, an der Kaffeebar des Flughafens einen Cappuccino zu holen. Mit Kartonbecher à la Starbucks und Crewbag à la Etihad begebe ich mich ins OCC (Operations Control Center). Langsam werde ich wach und beginne Gesichter und Geräusche wahrzunehmen.
Der Copi wohnt in Dubai und ist noch nicht eingetroffen. Ich kenne Jorge Serrano bereits von früheren gemeinsamen Flügen und weiss, dass der Kolumbianer nicht unbedingt der Vorstellung von einem „feurigen Latino“ entspricht, dafür mit seinem zurückhaltenden Charme und seiner Liebenswürdigkeit die Sympathien auf sicher hat.

Der Flug dauert heute Nacht 6.35 Stunden. Wir starten pünktlich, kurz nach 0300 Uhr. Obwohl Etihad Airways Kuala Lumpur erst seit Ende November anfliegt, sind die Auslastungszahlen erfreulich hoch. Das „Loadsheet“ zeigt 176 Passagiere; 79 Sitze unseres A340-300 bleiben leider leer.
Die Flugroute bringt uns zuerst über das Arabische Meer Richtung Mumbai. Anschliessend überqueren wir den Indischen Subkontinent, passieren die Stadt Chennai und steuern dann über dem Zentralindischen Becken die Inselgruppe der Nikobaren an. Über der Nordspitze Indonesiens türmen sich mächtige Gewitterwolken, so genannte „Cumulonimben“ oder „CB“. Unser geplanter Flugweg führt glücklicherweise durch eine „freie Gasse“ wodurch wir nicht genötigt werden, grosse Umwege zu fliegen. Im Funk können wir allerdings mitverfolgen, dass andere Kollegen weniger Glück haben und immer wieder Kursänderungen erbitten, die sie in der Regel problemlos erhalten.

Der Anflug gestaltet sich ebenso problemlos wie die bisherige Reise. Mit „Radar vectors“ werden wir auf die „ILS 32R“ geführt und um 13.30 Uhr setzen wir auf malayischem Boden auf. Der „Kuala Lumpur International Sepang Airport“ ist nicht nur top modern sondern auch äusserst grosszügig dimensioniert. Der „Airport Train“ bringt uns vom Satelliten zum Main Terminal. Eine eindrückliche Dachkonstruktion zieht den Besucher unvermittelt in seinen Bann. Unser Crewbus ist nicht weniger geräumig und überdies mit einer anregenden Tapete ausstaffiert. Wir sind nach dieser durchwachten Nacht alle froh, für die lange Fahrt in die Stadt über komfortable Sitze und genügend Beinfreiheit zu verfügen. Am Stadtrand geraten wir in ein kurzes, heftiges Gewitter mit üppigen Regengüssen. Mir tun die Motorfahrer leid...
Um 15.30 Uhr erreichen wir das „Traders Hotel“ im Zentrum der Stadt. Die Anlage wurde erst vor einem halben Jahr eröffnet. So träge wir uns aus dem Bus kämpfen, so rasch verfliegt die Müdigkeit beim Betreten des Hauses. Uns empfängt fernöstliche Freundlichkeit in einem Ambiente, wie ich es selten erlebt habe. Die Architektur erinnert mich an Elemente des Penninsula Hotels in Hong Kong und ich würde beinahe vermuten, dass der bekannte Architekt Philippe Starck bei der Innengestaltung seine Hände im Spiel hatte. In der Lounge der ersten Etage werden zur Schlüsselverteilung kühle Softdrinks und „Cool Towels“ gereicht. Die Zimmer sind durchgestylt und mit Flatscreen-Fernsehgeräten versehen. Ich blicke direkt auf die Petronas Towers, die mit stolzen 452 Metern die Dächer der Stadt überragen. Obwohl ich müde bin, ist mir nicht nach schlafen zumute und ich erkundige mich bei der Rezeption des Health-Clubs nach Möglichkeiten für eine Massage. „You can come in half an hour if you like“ tönt es mit unverkennbar asiatischem Akkzent aus der Hörermuschel und so mache ich mich wenig später auf den Weg in den 23. Stock. Was mich hier empfängt raubt mir gleich noch einmal den Atem. Ein Pool umgeben von riesigen Fenstern, vor denen breite Kissen zum Relaxen einladen. Dazu ein atemberaubender Rundblick auf Kuala Lumpur. Hinter einer ausladenden Bartheke mixen die Barkeeper ihre Drinks. Einfach phantastisch.


Nach Massage und Dusche fühle ich mich wieder fit. So fit halt, wie ein 50-jähriger sein kann...
Wie auch immer, um 1800 Uhr treffe ich mich in der Lobby mit vier rumänischen Flight Attendants. Jorge, unser kolumbianischer Copi, der weder Cumbia tanzen kann noch ein virtuoser Perkussionist ist, macht auf schlapp und zieht es – quasi unfreiwillig – vor, weiterzuschlafen. So stürze ich mich alleine mit transsilvanischen Mächten ins Getümmel der malaiischen Metropole und hoffe insgeheim, von den Blutgelüsten Draculas Erben verschont zu bleiben.
Wir schlendern durch den hügeligen Park hinter dem Hotel, genehmigen uns einen Apéro am Fusse der Petronas Towers, und beginnen alsdann mit der Suche nach einem Restaurant.

Glücklich, wessen Fotoapparat über eine Speicherkarte mit hoher Kapazität verfügt, denn Sujets bieten sich an jeder Ecke, und es wird wie wild geknippst. Digitalkameras gehören mittlerweile – wie auch Handys – zum Standardzubehör eines jeden Besatzungsmitglieds, lassen sich auf diese Weise doch lange Busfahrten oder schlaflose Hotelnächte beliebig überbrücken.
Wir füllen unsere Mägen in einem afrikanisch anmutenden Lokal, dessen Gartensitzplätze von hochstämmigen Palmen und Strohdächern überdeckt werden. Die Rumäninnen sind im Besonderen angetan von der Livemusik, deren Qualität jene der gereichten Speisen übrigens bei Weitem übertrifft. Sound top - Food flop. Die gute Laune lassen wir uns jedoch deswegen nicht verderben und geniessen den freien Abend bei herrlichen Temperaturen.

Am nächsten Morgen lasse ich mich um 1045 Uhr, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Crewcall, wecken. Für das Frühstück reicht es zwar nicht mehr, aber für einen Cappuccino im Hotel-Restaurant bleibt mir genügend Zeit.
Der Rückflug dauert sieben Stunden, und da es sich um einen Tagflug handelt, kämpfen wir für einmal nicht gegen Müdigkeit und brennende Augen. Im Gegenteil, Jorge und ich geniessen den Ausblick auf Wolkentürme wie auch auf die weitläufigen Landstriche Indiens. Es ist kurz nach 1800 Uhr, als die Räder unseres Airbus die Piste des Flughafens von Abu Dhabi touchieren. Wir sind uns einig, "Kuala Lumpur" ist eine Reise wert!















Cumulonimbus-Wolken über Indonesien
















Jorge - Von Müdigkeit übermannt















Gewitterregen auf der Fahrt ins Hotel




















Petronas Towers by Night















Anflug auf Abu Dhabi